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Texte zu Paul Flora
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Friedrich Dürrenmatt
Der Tiroler Paul Flora ist der Denker und Grübler unter den Karikaturisten. In seiner zeichnerischen Dialektik setzt sich die Gegenwart mit der Vergangenheit auseinander und verliert die Partie. Flora ist nicht ohne Traurigkeit. In seinem Werk sind Welten untergegangen und wir ahnen, daß auch wir untergehen. Die Gegenwart scheint von der Vergangenheit umklammert, kommt nicht von ihr los, wird selber zur Vergangenheit, wird von ihr verschluckt. Nur auf dem Umweg über die Vergangenheit wird daher eine Aussage über die Gegenwart möglich: die Gegenwart liest sich an ihrer Vergangenheit ab. Paul Flora schreitet rückwärts in die Zukunft. Das scheint unzeitgemäß in einer Zeit, in der jeder, der da pinselt, schreibt oder komponiert, gleich die Gegenwart verändern will. Doch ist es nicht unwissenschaftlich. Schließlich treiben wir in einem Meer von Vergangenheit dahin, lehrt die Astronomie. Die Sterne, die uns umgeben, sind Vergangenheit, und blicken sie auf uns, glotzen ihnen Dinosaurier entgegen.
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Erich Kästner
Der Zeichner und der Schriftsteller, diese Zwillinge, sind Erzähler. Sie fabulieren, berichten, träumen, klagen an, spotten, lachen und schwärmen. Zu allem braucht man Welt: Palmen, Gesichter, Pluderhosen, Kirchenportale, Kentauren, Blumentöpfe, Karyatiden, Generäle und reisende Engländer. Beide Zwillinge hantieren mit Stift und Feder. Beide schreiben, was sie zu erzählen haben, auf Papier. Der eine bedient sich der Buchstaben. Der andere schreibt in Bilderschrift. Und er hat den beneidenswerten Vorteil, daß seine Geschichten, Anekdoten, Pamphlete, Hymnen und Humoresken nicht übersetzt zu werden brauchen. Für den Zeichner gibt es keine Fremdsprachen. Er schreibt in der Muttersprache aller Völker. Paul Flora ist ein Bildschriftsteller. Er ist ein Literat.
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Wieland Schmied
Paul Flora durchschaut die Welt, er will sie nicht ändern. Er ist ein scharfer Beobachter und ein sanftmütiger Beschreiber, und wie er Verständnis hat für die Fehler der Menschen, so hat er Verständnis für die Schwächen der Dinge, ihr Brüchigwerden, ihren Verfall, ihre Einsamkeit. Sein Humor ist nie entblößend, er ist eher maskierend; Paul Flora steht auf Seiten der Opfer, und oft umgeben die Striche eine Sache schützend wie ein Verband aus zartestem Gewebe, selbst mit den Vogelscheuchen hat er Mitleid, schenkt ihnen eine winzige Krone oder einen riesigen Federschmuck, gibt ihnen ein Strichbündel als Rute in die Hand, flickt ihr ausgefasertes Gewand mit dichteren Fäden.
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